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Joseph Imorde, Peter Scholz und Andreas Zeising (Hrsg.):

Volkstümliche Moderne. Malerei und populäre Kultur der Gründerzeit

Kromsdorf: VDG Weimar, 2019
200 Seiten, 100 Abbildungen
ISBN 978-3-89739-938-9

Inhalt:
Markus Neuwirth
Der Bauer als Konstrukt oder »Schwört nicht zu Östreich, wenn Ihr‘s könnt vermeiden«

Peter Scholz
Populäre Kunst und nationale Identität. Franz von Defregger zwischen volkstümlicher Kunst-literatur und Diskursen der Kunstgeschichte um 1900

Angelika Irgens-Defregger
Ikonen der Populärkultur: Der Geschichtenmaler Franz von Defregger und der Bilderzähler Peter Rosegger

Andreas Zeising
»Volkskunst im besten Sinne des Wortes«. Gründerzeitliche Genrekunst in Schulbuch und Schulunterricht nach 1900

Helmut Hess
»Künstler oder Producenten künstlerischer Waare?«. Defreggers Zusammenarbeit mit dem Kunstverlag Franz Hanfstaengl

Jo Briggs
Local, Regional, Global: The Changing Reception of Franz von Defregger’s Peasant Paintings

Matthias Memmel
»…um einen Ton zum Idealen hin höher gestimmt« – Defreggers Genremalerei und die Krise des poetischen Realismus um 1900

Peter Forster
Wilhelm Riefstahls ›gesättigter Realismus‹

Joseph Imorde
Eduard Grützners »Heimliche Studie« von 1892

Felix Steffan
Max Bram und die Genese der Rosenheimer Gemäldesammlung

Lars Zieke
Das »Rubensfest« in München 1857. Mediale Konstruktionen künstlerischer Gemeinschaft und städtischer Identität

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfreute sich die akademische Historien- und Genremalerei nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der gründerzeitlichen Kunstkritik größter Beliebtheit. Insbesondere die Maler der Münchner Schule fanden auch international Anerkennung. Als Malerfürsten waren Künstler wie Franz von Defregger Persönlichkeiten von gesellschaftlichem Rang.
Jenseits von regional gefärbten Historienszenen bedienten sie mit ländlichen Idyllen und gemütvoll-humoristischen Darstellungen des Volkslebens ein Bedürfnis nach Einfachheit, unverbrauchter Innerlichkeit und Glück, das die als verstörend wahrgenommene Beschleunigung der Lebensverhältnisse und die technisch-gesellschaftlichen Umbrüche der Gründerzeit beim vornehmlich städtischen Publikum emotional kompensieren sollte. In Familienzeitschriften tausendfach reproduziert und in Form von Wanddrucken kommerziell vermarktet, nutzte man zugleich die neuesten technischen Möglichkeiten, sodass die gründerzeitliche Genremalerei in Phänomene der Moderne eingebunden war, man von einer volkstümlichen Moderne sprechen kann.
Der vorliegende Band richtet daher den Fokus auf die gründerzeitliche Kunst und Kultur im Hinblick auf Prozesse der Kommerzialisierung, Trivialisierung und Popularisierung, die die Medienmoderne und die künstlerische Praxis des ausgehenden 19. Jahrhunderts mitbestimmten.

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